444
Heimath zu geben, ja allen verfolgten, unterdrückten und verunglückten Menſchen Gelegenheit zu bieten, daß ſie von Neuem ein neues Leben, ein nenes Hoffen, eine neue glücklichere Entwicklung beginnen können.
Der edle Coligny in Frankreich hatte ſeit langer Zeit ſeine Blicke auf Südcarolina, als einen Zufluchts⸗ ort für die Hugenotten geworfen. Und als die Ver⸗ folgung gegen ſie in all ihrer grenzenloſen Grauſam— keit ausbrach, da flohen diejenigen, die ſich retten konn— ten, über das Meer und in dieſes Land, welches ihnen die Sagen als Nordamerikas„Schönheit und Reid“ geprieſen und wo jeder Monat im ganzen Jahr ſeine Blumen hatte.(Das Letztere iſt vollkommen wahr.)
„Wir verließen unſere Heimath bei Nacht,“ erzählt die junge Judith Marigault,„während die Soldaten ſchliefen, und wir ließen das Haus und alles was ſich darin vorfand, im Stich. Wir waren ſo glücklich uns zehn Tage lang in der Dauphiné verbergen zu können, während man nach uns fahndete.“ Nach einer Reiſe voll von Abenteuern und Widerwärtigkeiten, welche ſie ſchildert, fährt ſie fort:
„Nach unſerer Ankunft in Carolina erlitten wir alle Arten von Unglück. Nach achtzehn Monaten ſtarb un⸗ ſer älteſter Bruder am Fieber, ermattet durch harte Arbeit, an die er nicht gewöhnt war. Wir hatten ſeit unſerer Abreiſe aus Frankreich Kummer, Krankheit, Peſt, Anſteckung, Hunger, Armuth erlitten. Ich habe ſechs Monate lang wie ein Sclave in der Erde gearbeitet ohne ein Brod zu koſten, und ich habe es vier oder fünf Monate lang vermißt, als ich es bedurfte. Und gleich⸗ wohl hat Gott große Dinge für uns gethan, indem er uns in ſo ſchweren Prüfungen aufrecht erhielt.“ Judith Marigaults Sohn, der ein reicher Mann wurde, weihte im amerikaniſchen Freiheitskampf ſein großes Vermö⸗ gen dem Dienſt des Landes,„das ſeine Mutter aufge⸗ nommen hatte.“ Von Langnedot, von Rochelle, von


