Teil eines Werkes 
1. Bd. (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Dänemark und an H. Martenſen, ſind als Ruhepunkte unterwegs zu betrachten, von wo aus man die zurück⸗ gelegten Stadien überſchaut und ſich über Weg uud Ziel beſinnt. Es kommen darin einige Wiederholun⸗ gen vor, die ſich nicht vermeiden ließen. Daß ſolche auch in den andern Briefen vorkommen, fürchte ich, und ſie hätten vermieden werden ſollen, aber..

Von euch, meine Freunde, hoffe ich die Wahrheit, vor welcher man ſich gerne beugt, ſelbſt wenn ſie ſchmerzt. Wo ich geirrt, wo ich mich getäuſcht habe, da hoffe ich von euch öffentliche Belehrung darüber. Was ich Wahres und Gutes geſagt habe, werdet ihr, das weiß ich, anerkennen. Von euch fürchte ich kein unbilliges Urtheil. Die wahrheitsliebendſten Menſchen, aber ohne Härte, glaube ich unter euch gefunden zu haben. Deß⸗ halb liebe ich's, an euch zu appelliren.

In eure ſchöne, geſegnete Heimath kehre ich hier als Geiſt zurück, um euch an die Fremde zu erinnern, die ihr zu Gaſt ludet und zu eurer Freundin machtet; um mit euch von früheren Tagen an eurem Herd zu ſprechen; um euch zu danken und euch zu ſegnen; und nicht blos euch, deren Gaſt ich war, ſondern die Vielen in eurem Lande, die mir mit Worten oder Handlungen wohlthaten, die Warmherzigen, Edelgeſinnten, ſie alle, die mich den Morgenthau einer neuen ſchöneren Schöpfung trinken ließen, das Lebenselixir, das die Ingend der Seele erneut.

Das Wort iſt arm, es kann wenig von dem aus⸗ drücken, was die Seele empfindet. Möchte doch Etwas von der Lebensfreudigkeit, die ihr mir ſchenktet, aus dieſen Briefen euch wieder entgegenathmen und euch hiemit einen beſſern Dank bringen, als ihn hier aus⸗ ſprechen kann eure ſchwediſche Freundin

Friederike Bremer.