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Gegen Abend kamen die beiden jüngſten Söhne des Hauſes, Vngve und Arvid, zwei ſchöne, hoffnungs⸗ volle Jünglinge, die Augäpfel der Mutter und Lieb⸗ linge der Innerſten, beide froh und glücklich, ſich wieder einmal daheim bei Mutter und Geſchwiſtern zu be⸗ finden. Es war nicht möglich, an dieſem Tage mit Frau Cäcilie ein ernſtes Wort unter vier Augen zu ſprechen. Die Bekenntniſſe wurden daher ſämmtlich auf den morgenden Tag verſchoben. Abends bat Adolph ſeine Schwiegermutter um eine geheime Unterredung auf den andern Morgen. Dieſe Bitte und die Ge⸗ danken, welche ſie hervorrief, bereiteten Frau Cäcilien eine ſchlafloſe Nacht.
Am andern Morgen in der Frühe traf Frau Cä⸗ cilie mit ihrem Schwiegerſohn in ihrem Cabinet zu⸗ ſammen. Sie war blaß, und Adolph fühlte eine kalte Hand in der ſeinigen, als er, ebenfalls ſichtlich aufge⸗ regt, ſie ergriff und an ſeine Lippen führte. Er ſetzte ſich zu ihr auf das Sopha und ſagte zärtlich:
„Zürne mir nicht, liebe Mutter, wenn Du meine Handlungsweiſe übereilt findeſt. Ich bin bereit dieß zuzugeben, aber— bereuen kann ich es nicht.“
Adolph hielt einen Augenblick inne, denn er be⸗ merkte, daß ſeine Schwiegermutter leiſe zitterte und ſehr blaß war. Sie ſprach jedoch nichts, ſondern be⸗ deutete ihm durch ein Zeichen, daß er fortfahren möchte. Nicht ohne Verlegenheit, aber mit mannhafter Ent⸗ ſchloſſenheit ſprach Adolph alſo weiter:
„Die Liebe hat mich überraſcht. Ich habe der Tochter Deiner Freundin, die auch Du kennſt und liebſt, mein Herz gegeben und will ihr auch meine Hand geben.“
Mit einer für ſie ungewöhnlichen Heftigkeit unter⸗ brach ihn Frau Cäcilie, indem ſie ihre Hand auf ſeinen Arm legte und ſagte:
„Iſt es eniſchieden? läßt es ſich nicht mehr ändern? Biſt Du unwiderruflich gebunden?“
„Ja,“ antwortete Adolph mit Beſtimmtheit.„Ich
Die Johannisreiſe. 10


