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Charlotte war an dieſem Tag vielleicht von der Luft zu ſehr angegriffen. Gewiß iſt, daß ihre gewöhn⸗ lich ſchöne Röthe jetzt gar zu viel Aehnlichkeit mit der Päonie hatte. Ebenſo gewiß iſt aber auch, daß die Erzählungen des Capitäns Rapp ſie ganz beſonders in Anſpruch nahmen. Immer und immer wieder jedoch ſchwebten ihre Augen in raſcher Wendung und mit unruhig fragendem Ausdruck von dem Capitän zu ihrer Mutter hinüber. Und als ſie Frau Cäciliens Blicke meiſt auf den lebhaſten Erzähler geheftet ſah, da ſchien ſie freier zu athmen.
Charlotte war wirklich ein ſchönes, angenehmes Mädchen und ſah trotz ihrer ſiebenundzwanzig Jahre ſehr jung aus. Sie war friſch und ſtark und hatte die ſchöne Farbe, die hellblauen Augen, die weißen Zähne, das runde Geſicht, wodurch ſich die jungen Töchter Norrlands ſo angenehm auszeichnen. Sie war, wie Ina ſagte, ein prächtiges Mädchen und hatte alles Zeug für eine vortreffliche Frau und Haus⸗ mutter.
Aber, daß ſie ſich jetzt nicht gerade in ihrer ge⸗ wöhnlichen, fröhlichen und freimüthigen Stimmung befand, das konnte Niemand entgehen, der nicht aus⸗ ſchließlich an ſich allein dachte.
Fridolph, der Beamte, der ſanfte Bruder, war ein hübſcher Mann von einem feinen, diſtinguirten Aeußern, das von mehr als gewöhnlicher Güte und Sanftmuth zeugte; Schwägerin Amalie ſah wie eine höchſt anſtändige, wohlgebildete Dame aus und wußte ſehr gut eine Converſation zu leiten. Die Kinder waren, wie man ſie nur wünſchen mochte, ein Knabe und ein Mädchen, wohl erzogen; nur ſahen ſie etwas vornehm auf den kleinen Knirps und auf Naima herab, die ihnen viel zu ländlich waren.
Nachmittags kamen bald noch andere Gäſte. Frau Cäcilie konnte keinen Augenblick Ruhe finden, und es war unmöglich, mit ihr unter vier Augen zu ſprechen.
Charlotte ſuchte das Fräulein auf, die ſich auf ihr


