54 waren gefallen oder in Gefangenſchaft gerathen. Da verſammelten ſich dreihundert Frauen mit ihren Kin⸗ dern, die Blume unv die Knoſpe des liefländiſchen Adels, die Abkömmlinge der alten Kreuzherren, in dem Ritterſaal, unter welchen ſie vier Tonnen Pulver hat⸗ ten legen laſſen. In Feſtgewanden, mit ihren koſtbar⸗ ſten Kleinodien geſchmückt und ihre Kinder an der Hand führend, traten ſie ein. Sie beichteten in feier⸗ lichem Gottesdienſt und nahmen das Nachtmahl. Als der Feind ſich zu nähern anfing, verſammelten ſie ſich unter Gebeten und Geſängen in einem Kreis um den Prieſter. Und juſt als die Ruſſen ſich über der Mauer zeigten, gab eine der Frauen einem Diener das Signal zum Anzünden. Dieſer ergriff die brennende Lunte, die Frauen drückten ihre Kinder an die Bruſt und... Alles flog in die Luft. Die Ruſſen fanden nur Trüm⸗ mer, und unter ihnen ein noch lebendes Kind, die Tochter der Frau, welche das Unternehmen geleitet hatte. Sie war meine Stammmutter. Sie gab dem Uebermuth und der Gewalt nicht nach. Auch ich werde...“
„Das war ſehr ſchön von ihr und von den lief⸗ ländiſchen Frauen,“ verſetzte Ina mit Innigkeit und mit jener ſchönen Bläſſe im Geſicht, welche die Er⸗ zählung von edlen und fräftigen Thaten bei geſuhl⸗ vollen Gemüthern hervorruft.„Aber,“ fuhr ſie fort, indem ein feiner Zug gutmüthigen Scherzes um ihre lächelnden Lippen ſpielte,„ich kann nicht einſehen, daß hier Gelegenheit zu ſolchen Heldenthaten geboten würde. Man will Dich nicht gefangennehmen, man will Dich bloß freier machen durch Geſchenk...
„Gnadengeſchenke!“ rief Ida heftig;„man will mich durch Gnadengeſchenke binden, will mich demü⸗ thigen!... Ich kenne ſie. Ich kenne den Geiſt, der in dieſem Briefe athmet. Aber ich werde ihnen ſo antworten, daß ſie ſich gedemüthigt fühlen ſollen. Ja, ich werde ihnen ſo antworten.“
„O nein, thue das nicht, Ida! Du könnteſt Dich vergreifen. Der Brief kann gut gemeint ſein, ja, er
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