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voll zärtlichen Mitleids auf die junge Frau. Dann fuhr ſie nach einem Augenblicke fort:
„Man hat gewöhnlich drei Epochen in ſeinem Vertrauen zu den Menſchen. In der erſten hält man Alle für gut und iſt bereit, mit Freundſchaft und Ver⸗ trauen um ſich zu werfen. In der zweiten hat man Erfahrungen gemacht, die dieſen Glauben niederſchlagen, und man muß ſich da in Acht nehmen, daß man nicht Allen mißtraut und Alles auf's Schlimmſte auslegt. Später im Leben erkennt man, daß die meiſten Men⸗ ſchen doch weit mehr gut als bös ſind, und daß man ſelbſt bei gerechten Urſachen zu Beſchwerden immer noch mehr Urſache hat, zu beklagen, als zu verurtheilen. Und dann faßt man von Neuem Vertrauen!... Du, meine arme Ida, befindeſt Dich noch in dem zweiten, ſchweren Stadium, aber ich hoffe, daß Du einmal in das dritte, tröſtende und ruhige, kommen wirſt.“
„Worin Du Dich befindeſt, liebe Mutter?“ ant⸗ wortete Ida lächelnd.„Nicht wahr? Ach dahin komme ich nie. Ich habe zu bittere Erfahrungen gemacht! Und ich kann nicht... vergeſſen! Die Bibel ſpricht von einem Stern, welcher Wermuth heißt und die Waſſerquellen auf Erden verbittert.“
„Steht in der Bibel nicht auch von einem Kraut, einem Baum, wodurch das bittere Waſſer ſüß gemacht wird?“ fragte Frau Cäcilie.
„In der Bibel vielleicht,“ antworte Ida,„aber wo fände ſich das auf Erden? Es iſt erſtickt an den Diſteln: Verleumdung, Hartherzigkeit.“
„Die meiſten von uns müſſen den böſen Ruf wie den guten über ſich ergehen laſſen,“ bemerkte Frau Cäcilie mild;„aber wer beim Rechten bleibt und getreu ausharrt, der findet doch zuletzt auch bei den Andern die verdiente Anerkennung.“
„Zuletzt!“ rief Ida ungeduldig;„wann kommt dieſer Zeitpunkt? und inzwiſchen!...“
„Die Zeit heilt ſehr viel,“ verſetzte die Matrone
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