Teil eines Werkes 
3 Bändchen (1849)
Entstehung
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beerblüthen herab, gleich als wollte er Allen zuſammen den Garaus machen. Aber den zarten Blümchen war nicht beizukommen, ſie nickten und winkten, glänzten und zwinkerten, ſprengten Düfte und Thauperlen in die Luft, nahmen Alles ſcherzhaft auf; es war unmöglich, Streit mit ihnen anzufangen.... Vielleicht wurde der Alte vom Berge— wir wiſſen, daß er gleich bei der Sündfluth dabei war und mit auftrocknen half— dadurch freundlicher geſtimmt. Gewiß iſt, daß er ſich ganz mild und gutmüthig zu empfinden gab, als er mit den Düften vom Wald und von der Wieſe, beinahe koſend über ein ältliches, aber edles Menſchengeſicht hinſtrich, das vom Altan des eben erwähnten, herrenſitz⸗ ähnlichen Hauſes herab über das Feld hinausblickte und ſich an der Friſche des Morgens zu erlaben ſchien.

Es war die Beſitzerin des Herrenhofes: Frau Cä⸗ cilie Nordenhjelm. Sie war von hohem Wuchs, aber etwas gebeugt und ziemlich hager. Sie trug ein helles, weites Kleid und eine ſchneeweiße Linonhaube über dem ſilbergeſprenkelten, auf der Stirne geſcheitelten Haar, das in weichen Wogen über ihre Schläfe herab⸗ hing. Ihr ganzes Ausſehen hatte etwas ungemein Einnehmendes und Würdiges; das Geſicht mit ſeinem Gepräge von hochſinnigem Ernſt und Güte ſchien bei⸗ nahe ganz ohne Schatten zu ſein. Doch konnte es mitunter ſehr alt ausſehen. Dann lag etwas Schweres über der Stirne, und in den Runzeln um Auge und Mund las man den Eindruck vieljähriger Widerwärtig⸗ keiten. Zuweilen ging ſie auch tiefer als ſonſt gebeugt, gleich als hätte ſie eine Laſt auf ihren Schultern. Man gab ihr dann wohl ſechzig Jahre und noch mehr Aber in ihren beſſern Stunden, und zumal, wenn eine feine helle Röthe ihre Wangen färbte und die Oberlippe ſich zu einem guten Scherz ſpitzte, oder auch ihr Haupt ſich in freimüthiger Laune emporrichtete, da hätte man ſie kaum für eine Fünfzigerin gehalten. Eine ſchöne Matrone war ſie, ſo viel iſt gewiß.

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