Teil eines Werkes 
3 Bändchen (1849)
Entstehung
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Lächeln. Es iſt, als härmten ſich die Genien der Ge⸗ gend über ihre Armuth, als weinten ſie bei glücklicheren Geſchwiſtern über ihr hartes Loos und riefen dem Herrn der Natur zu: Auch wir haben Muth und Lebensluſt bekommen, auch wir haben Wälder und Seen, auch über uns leuchtet deine Sonne, aber ſie erwärmt uns nicht; die Feſſeln der Kälte binden unſre Flügel, kein Vogel ſingt in unſern Wäldern, und ſelten ſpiegelt ein leben⸗ diges Weſen ſeine bleichen, hagern Züge in unſern Seen. Wir leben und wachſen, aber wir reifen nie.“

Und dennoch, trotz all dieſer Strenge und Düſter⸗ heit, trotz all dieſer Bilder der Finſterniß und des Todes, übt Norrland eine gewiſſe heimliche Anziehungskraft auf das Gemüth aus. Sie liegt gerade in den Contraſten ſeines Lebens und ſeiner Natur, in dieſer Oede und dieſer Schönheit, in dieſer unheimlichen Größe und dieſer lieblichen Anmuth, im Zauber ſeines kurzen Sommers, dieſem entzückenden Feſte des Lichts, in der Pracht ſeiner Winternächte, wo die Sterne mit ſeltener Klarheit leuch⸗ ten; ſie liegt in der Macht dieſer Erde, die in jung⸗ fräulicher Kraft dem Landmann ſiebenfach reichere Ernten gibt, als die längſt angebauten ſüdlichen Gegenden. Sie liegt endlich— für gewiſſe Gemüther— in der geheim⸗ nißvollen Umgebung ſelbſt, die von der Mitternachtsſonne beleuchtet wird, in deren Umkreis die Eisberge Wache halten und Winters der Nordſchein flammt, die aber der Menſch mit allen ſeinen Geſetzen und Schlagbäumen noch nicht zu ſeinem Eigenthum gemacht hat; ſie liegt in der Stille dieſer unbegrenzten Urwälder, durch welche namenloſe Ströme rauſchen, und in denen nur Thiere und Pflanzen wohnen, die man in der übrigen Welt nicht ſieht; endlich in ſeiner Abgelegenheit von der civiliſirten, unruhigen, lachenden uud weinenden Welt; vor allen Dingen in ſeiner Einſamkeit.

Die Schwäne ziehen da hinauf, ſuchen die einſam⸗ ſten, von den Menſchen entfernteſten Seen, um in Frieden und Freiheit ihr kurzes Liebesleben zu genießen, ihre melodiſchen Geſänge ertönen zu laſſen.