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ſt Wahrheit räthſelhaft iſt es, daß ein Mann, dem die Natur e den Stempel der Lebensluſt und der Heiterkeit auf die Stirne gepreßt, deſſen Kunſt ſeinem Naturell conform— daß ein ſolcher Mann ſich plötzlich einer ungerechtfertigten Schwermuth hingeben will, um ſeine phyſiſchen und geiſti⸗ r gen Kräfte in Grübeleien und Phantaſien aufzuzehren. Er⸗ manne Dich, Freund! Deiner harrt die Oper, die Du
„
. begonnen; arbeite ſie fertig, dann nimm das Requiem
zur Hand. Die Welt erwartet die Schöpfungen Deines d Geiſtes, befriedige ſie, denke an Deinen Ruhm, an Deine e Unſterblichkeit.“
Mozart raffte ſich zuſammen, drückte dem Freunde die Hand und ſagte:„Ich kann Dir das ſchmerzliche Ge⸗
n. fühl, welches mich ſeit heute morgens beſchlich, nicht be⸗ r ſchreiben. Mir war's, als hätt' mit dieſem Requiem der n Tod ſich bei mir angemeldet.“
e„Wolfgang! um Gott, was ſprichſt Du?“
n„Ruhig, Freund! nur ruhig; es iſt nichts mehr, 3 ich fühl mich wieder frei von dem Schmerz; ich bin der u Idee losgeworden und denk' nun bloß an die Arbeit. Er . kommt noch nicht, es iſt noch nicht an der Zeit...“
h„Wohin nimmſt Du jetzt den Weg?“ i„Hinab in die Kärnthnerſtraße. Ihr geht doch e mit?“
„Wir begleiten Dich nach Hauſe.“


