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„Ich bitte Sie darum.“
„Sie taugen für die Bühne nicht.“
„Warum denn nicht?“
Der naive Ton dieſer Frage hätte Schikaneder bei⸗ nahe zu einem beleidigenden Lachen aufgereizt, indeſſen er beherrſchte ſich und wie Jemand, der ſich bei einem ei⸗ genſinnigen Kranken zur Geduld nöthiget, ſagte er:„Ich bitte Sie, mein Fräulein, ſchonen Sie mich, zwingen Sie mich nicht, alle Rückſichten, die man Frauen und beſonders unglücklichen Frauen ſchuldig iſt, bei Seite zu ſetzen.“
Das Mädchen regte kein Glied, ſondern ſagte in ihrer früheren, völlig argloſen Weiſe:„Wahrhaftig, Herr Direktor, Ihre Rede klingt mir räthſelhaft. Warum ſoll ich denn für die Bühne nicht taugen?“
„Fräulein, Sie werden doch wiſſen, daß jede Per⸗ ſon, die ſich dem Theater widmet, als erſte unerläßliche Bedingung wenigſtens kein unangenehmes Aeußere be⸗ ſitzen darf?“
„Was fehlt denn meinem Aeußern?“ fragte das merkwürdige Mädchen in derſelben Weiſe wie bisher.
Schikaneder, der jetzt den letzten Reſt ſeiner Geduld verlor, antwortete kurz und trocken:„Fräulein, ich bitte Sie, in den Spiegel zu blicken, und wenn Sie geſunde Augen haben, werden Sie Ihre Mangel leicht ent⸗ decken.“
1859. XVIII. Die Zanberflöte. I. 3


