Erſtes Kapitel.
Der Freifechter.
Am Feſttage Mariä Geburt, das iſt am 8. Septem⸗ ber im Jahre des Herrn 1603, zogen um die dritte Nach⸗ mittagsſtunde in die Fremdenherberge zum„goldenen Pfan“ in der Kärnthnerſtraße eine Menge Wiener und Wienerinnen, wie ſich's von ſelbſt verſteht, feiertäglich aufgeputzt, die Männer bewehrt mit tüchtigen Schwertern, die Frauen mit viel gefährlicheren Waffen, nämlich mit glühenden Augen, durchbohrenden Blicken, mit verführeri⸗ ſchem, ſchelmiſchem Lächeln, mit der tief verwundenden Ueppigkeit jugendlicher Anmuth, kurz mit mehr oder we⸗ niger Schutz⸗ oder Trutzwehren, geholt aus dem bürger⸗ lichen Zeughauſe des kleinen Liebesgottes, der, wie man weiß, noch heute mit Bogen und Pfeil bewaffnet iſt, da⸗ hero er das Pulver nicht erfunden hat.
Was veranlaßte den zahlreichen Beſuch des genannten Wirthshauſes?


