Teil eines Werkes 
1. Th. (1835)
Entstehung
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Johannisabend ruͤckt heran, Da ſieht ein Auge kuͤhn, Durch's Schluͤſſelloch der Kirchenthuͤr Des Jahres Todten zieh'n.

Denn wer im Lauf des Jahres ſtirbt, Der wallt daher im Zug

Rund um den Hochaltar, als Geiſt In weißem Leichentuch.

Geh hin, erforſch', ob mir vielleicht Im Laufe dieſes Jahr's

Der Aufruf Vetter Hein's erſchallt; Sieh hin, und offenbar's!

Denn nimmer reich' ich Dir die Hand, Wenn mit im Zug' ich bin.

Was hätt'ſt Du, ſtuͤrb' ich noch dies Jahr, Von Emma wohl Gewinn?

Durch die zerriſſ'nen Wolken hallt Der Glocke Feierton;

Der letzte Schlag erklungen, buͤckt Zum Schloß ſich Edward ſchon.

Hell in das Schiff der Kirche dringt Durch's Fenſter jetzt der Mond; Der Juͤngling lauſcht und lugt, und ſieht

Die Kirche wie bewohnt.

Her von dem Seitengange zieht

Ein langer, banger Zug; Dem Hochaltare wallt er zu In weißem Leichentuch.