408
„Moͤg' Eure Bitte Euch gewaͤhrt ſeyn, wer⸗ ther Herr Simon,“ ſagte der Koͤnig.„Tragt den Leichnam hinweg. Wir aber wollen die⸗ ſen Gedanken der Trauer Valet geben, und bei unſerm Streben, den Todten Ehre zu er⸗ weiſen, nicht unſere Pflicht gegen die Lebenden vergeſſen. Herr Simon, wir gedenken deß, was Ihr uns vorhin ſagtet, und ſehnen uns, das Antlitz der ſchoͤnen Jungfrau zu ſehen, die Ihr um ihrer Tugend willen als Euer eigenes Kind liebt und ſchaͤtzt.“
„Und ſie ſoll mein eigenes und geliebtes Kind ſeyn,“ ſagte Herr Simon,„ſo Annahme an Kindesſtatt und Sorgfalt und Zaͤrtlichkeit ſie dazu zu machen vermoͤgen. Tritt her, Anna, und luͤfte Deinen Schleier.“
Anna naͤherte ſich, zoͤgerte jedoch beſcheident⸗ lich, vor den Koͤnig zu treten.
„Nun, nun,“ ſagte Karl, indem er ſelbſt des Maͤdchens Schleier zuruͤckwarf,„fuͤrchtet nichts, ſchoͤne Jungfrau. Schuldloſe moͤgen gar wohl dreiſt weltlichen Koͤnigen nahen, da ſie ſtets unter den Augen des Koͤnigs aller Koͤnige und


