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vergebens hin und her erwog, was am thun⸗ lichſten zu ſeiner Sicherheit ware, hatten die beiden Frauenzimmer ſchon einen Entſchluß ge⸗. faßt. Die Wittwe verſah den Grafen mit einem Anzuge aus dem Nachlaß ihres verſtorbenen Mannes, und Anna hob die Nothwendigkeit hervor, daß der Graf zur Stadt hinaus muͤßte, ehe noch das Tageslicht voͤllig angebrochen ſeyn wuͤrde. Zum Gluͤcke fuͤr Ludwig waren mehrere der Stadtthore in dieſer Nacht des Schreckens aus ihren Angeln gehoben worden, ſo daß es um ſo leichter ward, zu entſchluͤpfen. Die Wittwe that nun ihr Moͤgliches, die Perſon des Grafen zu verkleiden. Sein langes Haar, das er, zufolge der damaligen, unter den Adeligen herrſchenden Mode, durch ein Per⸗ lengewinde beveſtigt, oder mittelſt eines Netzes zuſammengehalten trug, ward jetzt dahin los⸗ geknotet daß es ihm uͤber Stirn und Augen⸗ brauen herabhing. Ein gemeines Wams, ſo wie es die Handwerker trugen, ward nebſt einem Mantel und einer Kappe von grobem Wollzeuge ſo nachlaͤſſig wie moͤglich angelegt.
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