Teil eines Werkes 
3. Bd. (1867)
Entstehung
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zu thun hat, wenn er in kurzem über den Charakter deſſelben mit ſich im Reinen ſein will, ſo thut der Hiſtoriograph des Menſchenherzens wohl daran, bis⸗ weilen Badeorte zu beſuchen, denn hier lernt er in der⸗ ſelben Friſt einen Erwachſenen durch und durch kennen.

Im Tode iſt Wahrheit. Krankheit iſt die unäſthe⸗ tiſche Vorſchule des Todes. Der Kranke macht weniger Umſtände mit ſeinem Ich als der Geſunde, ja er gäbe gern Jedem, der ſich nach ſeinem Leiden theilnehmend erkundigt, alle die Zettelkäſten ſeiner Biographie mit, gedrängt hierzu durch das geiſtige Bedürfniß, ſich über ſeinen äußern und innern Zuſtand mit der ganzen lieben Menſchheit in Rapport zu ſetzen.

Man ſieht den Menſchen mit allen ſeinen geſelligen Tugenden und Untugenden am Badeorte in ganzer Nacktheit. Hier geſteht er der ganzen Welt nämlich der Badewelt Sünden, die er daheim nicht einmal ſeinem intimſten Freunde anvertraut, und es ſind ja eben die Sünden das, woran man ſich bei der Geſchichts⸗ forſchung des Menſchenherzens hauptſächlich zu halten hat.

Wie krank ſich die Deutſchen fühlen, beweiſt ihre Sucht, Bäder zu beſuchen.

Zum Glücke liegen die Bäder meiſt in ſchönen Gegenden; zum Glücke, ja, weil ſich die entſetzlichen