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hangs waren, wird der Genius der neuen Kunſt ſein ſtrahlendes Gefieder ausbreiten zum Fluge durch das weite Reich geläuterter Erkenntniß; darum Geduld, ihr jetzt Lebenden, jetzt noch unerkannt Schaffenden, eure Zeit ſchlägt auch und, wie geſagt, bald:
„Noch iſt nicht die Zeit gekommen, Daß die Kunſt ſpricht: Welt, ich bin! Doch die Gluth iſt angeglommen, Bald legt ſich der Phönix hin:
Und in ſeinen theuren Flammen Schmilzt, was ſonſt die Welt erſah, Und die Aſche bricht zuſammen
Und die neue Kunſt iſt da!
Ja, ſchon wuchern reich die Keime, Die geſät Vergangenheit:
Der Antike Götterträume,
Der Romantik Wirklichkeit—
Einen werden ſie die Strahlen Bald zum Jrisbogen, der
Auf den Höh'n und in den Thalen Zeigt, daß keine Sündfluth mehr.
Kurze Nacht noch, und mit tauſend
Flammenaugen blickt der Tag,
Und vor ihm ſchließt, dumpf erbrauſend,
Sich der Jetztzeit Sarkophag! Ja, Geduld, ihr Neuen, Ausdauer, es wird ſich loh⸗ nen! Schon habt Ihr echte Lyrik und ſchon er⸗


