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Noch übler als in der lyriſchen und dramatiſchen Poeſie dieſer Gefeierten, dieſer Herven aus der gol⸗ denen Zeit unſerer Literatur, ſieht es im Romane aus. Schiller leiſtete darin bekanntlich nichts; ſein Geiſterſeher iſt ein hohles Machwerk. Goethe's Wilhelm Meiſter iſt reich an Schönheiten der Cha⸗ rakteriſtik und der Darſtellung, aber kein Ganzes, we⸗ der Roman noch Novelle; ſeine Wahlverwandt⸗ ſchaften wie ſeinen Werther wird, ſo glatt und glänzend auch beide, wohl niemand gerne zweimal le⸗ ſen wollen. Wo alſo iſt das Große dieſer Großen? In ihren Werken iſt es nicht zu finden; wo alſo zu ſuchen, wie ſich die unermeßliche Wirkung derſelben erklären? Wir können es mit einem Worte ausſpre⸗ chen: dieſe Wirkung ging aus ihrer Totalität her⸗ vor; die Maſſe bewältigt man nur durch Maſſen und wer täglich kommt und lange lebt, der wird am Ende auch gehört, erhört. Hier ſprechen wir nicht einmal davon, in welche bornirte Zeit die Wirk⸗ ſamkeit dieſer Männer fiel und wie breit der Strom jener Geſchmackloſigkeit noch in die Gegenwart herein⸗ gemündet.— So ſteht es; aber die Zeit der Aner⸗ fennung für das Neue iſt nicht mehr fern; die Pa⸗ lingeneſie ſchreitet vor und mit dem Ableben derer,
die Zeitgenoſſen der genannten Todten und ihres An⸗


