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Dichterleben aus unserer Zeit : Novelle / von Jean Charles
Entstehung
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W

trachtung alles deſſen verſenkt, was erſcheint, vor

dem Auge der Phantaſie die Lupe der Naturkunde, nehmen Sie die Gegenſtände wahr und ordnen Sie

nicht in Jean Paul'ſchen Zettelkäſten des Ver⸗ ſtandes ſondern als Naturforſcher und Maler zu⸗ gleich, der ſeine Auffindungen im Bilde feſthält, deſſen Combinationen ſogleich zum anſchaulichen Syſteme wer⸗ den. Dieſes unausgeſetzte Durchbilden der Ideen iſt Ihre Originalität und dieſe unterſcheidet Sie zu Ih⸗ rem Vortheile von allen jetzt lebenden Lyrikern. Uhland iſt ein edler Sänger, aber nur Sänger,

kein Dichter.

Das Bild iſt ihm, wie den Meiſten,

eine terra incognita; es kommt bei ihm, wie bei Schiller und Andren, höchſtens zum Gleichniſſe, aus dem uns der kalte Hauch der Allegorie anweht; von der Gabe, ſchon im Bilde zu denken und die Idee in der Form aufgehen zu laſſen, haben dieſe Männer nichts. Sie wirken dagegen durch Schwung, Gefühl, Stimmung. Schiller reißt durch die Kraft des, obgleich nicht ſelten halb verſtandesloſen, Aus⸗

drucks dahin;

Uhland hält feſt und erregt dauern⸗

des Intereſſe durch frappante Situation, überraſchende Empfindung, edles, ſtarkes Wort. Daſſelbe Princip wirkt in Goethe, dem Lyriker; er hat keine Gedichte,

aber ſchöne Geſänge, treffliche Lieder, köſtliche See⸗

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