Teil eines Werkes 
3. Bd. (1863)
Entstehung
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Robert Audley blieb noch lang nach Tagesan⸗ bruch bei dem Kranken ſizen, der kurz nach Been⸗ digung ſeiner Geſchichte in einen ſchweren Schlaf verfallen war. Die alte Frau hatte behaglich wäh⸗ rend des ganzen Bekenntniſſes von ihrem Sohne geſchlummert; Phöbe war auf der Bettbank im un⸗ tern Zimmer gleichfalls eingeſchlafen; ſo war der junge Rechtsgelehrte alſo der einzige Wächter.

Er konnte nicht ſchlafen; er konnte nur an die Geſchichte, die er gehört hatte, denken. Er konnte nur Gott für ſeines Freundes Rettung danken und beten, daß er im Stande ſein möchte, zu Klara Tal⸗ boys zu gehen und ihr zu ſagen:„Ihr Bruder lebt noch und iſt aufgefunden worden.“

Um acht Uhr kam Phöbe die Treppe herauf, be⸗ reit, ihren Plaz an dem Krankenbette einzunehmen, und Robert Audley ging hinweg, um ſich in der Sonne zur Ruhe zu legen. Er hatte die lezten drei Nächte nur ſo einige Augenblicke unerquicklicher Ruhe. wie ſie ſich in Eiſenbahnwägen und an Bord von Dampfſchiffen darbieten, erhaſcht und war völlig erſchöpft. Es war beinahe dunkel, als er aus einem langen, traumloſen Schlummer erwachte und ſich zum Diner in dem kleinen Wohnzimmer ankleidete, wo er und Georg vor wenigen Monaten bei ein⸗ ander geſeſſen waren.

Der Wirth bediente ihn beim Diner und erzählte ihm, Lukas Marks ſei um fünf Uhr dieſen Nach⸗ mittag geſtorben.„Es ging ziemlich raſch mit ihm,“ ſezte der Mann hinzu,„aber er ſtarb ſehr ruhig.“

Robert Audley ſchrieb dieſen Abend noch einen langen Brief an Madame Taylor unter der Adreſſe Braddon, Lady Audley's Geheimniß. III. 15