Teil eines Werkes 
2. Bd. (1863)
Entstehung
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Mylady fuhr mit den juwelenbeſezten Fingern aus und ein, während ſie zu ihrem Gatten redete.

„Ich wünſchte zu Dir zu gehen, mein Theurer, verſtehſt Du,“ ſagte ſie—„ich wünſchte zu Dir zu gehen, ſobald ich nach Hauſe gekommen war, aber Mr. Audley beſtand darauf, mich anzuhalten, um mit mir zu ſprechen.“

„Aber worüber, meine Liebe?“ fragte der Ba⸗ ronet.„Was konnte Robert Dir zu ſagen haben?“

Mylady gab keine Antwort auf dieſe Frage. Sie ließ den hübſchen Kopf auf ihres Gatten Kniee ſinken, und ihre gekräuſelten gelben Locken fielen ihr über das Geſicht.

Sir Michael hob das ſchöne Haupt mit ſeinen ſtarken Händen und wandte Mylady's Angeſicht ſich zu. Der auf dieſes blaſſe Antliz fallende Feuer⸗ ſchein erhellte die großen ſanftblauen Augen, welche in Thränen ſchwammen.

„Lucy, Lucy!“ rief der Baronet,„was hat dieß zu bedeuten? Sprich, mein Liebchen, was iſt ge⸗ ſchehen, das Dich alſo betrüben konnte?“

Lady Audley verſuchte zu ſprechen, aber die Worte erſtarben unarticulirt auf ihren zitternden Lippen. Ein würgendes Gefühl in ihrer Kehle ſchien die falſchen, ſcheinbar plauſibeln Worte, die einzige Waffe gegen ihre Feinde, zu erſticken und zu ver⸗ nichten. Sie konnte nicht ſprechen. Die Seelen⸗ angſt, die ſie ſtillſchweigend in der düſtern Linden⸗ allee erduldet hatte, war zu ſtark für ſie geweſen, und ſie brach jezt ungeſtüm in hyſteriſches Schluchzen aus. Es war kein erheuchelter Schmerz, der ihre