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Schilderungen aus der Wirklichkeit / von Louise Brachmann
Entstehung
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Die Morgenrothe ſtand am Himmel, als der greiſe Krieger geendet hatte, die Sonne warf ihre erſten Strahlen herauf; Erwin griff noch ein Mal nach ſeinem Saitenſpiel und ſan

ein ernſtes Lied:

Fluͤchtig iſt des Lebens Sonnenhelle, Die des Kriegers rauhe Pahn erhellt; Aber gluͤcklich, daß auf flüchtge Welle Oft verklaͤrt ein Bild des Himmels faͤllt!

Was das Leben Schoͤnes hat und Mildes, Hoh' und Heil'ges, iſt uns aufgethan. Jenſeit unſers daͤmmernden Gefildes Hebt der Pfad ſich ſiegend himmelan.

Und die hohen Blicke lenkt der Krieger Zu der wahren ſeſten Heimath auf; Wie den Feind, auch oft ſich ſelbſt Beſieger, Folgt er edel ſeinem großen Lauf.

Dem das Leben feil iſt jede Stunde, Was vermoͤcht ihn erdwärts noch zu ziehn? Doch die Menſchlichkeit im ſchoͤnen Bunde, Oft auch ſchmuͤckt mit holdem Lohn ſie ihn.

Dankbar gruͤßt er dann das fluͤcht'ge Leben, Als die ſchoͤne wankelmuͤth'ge Braut Inniger in Freundſchaft uns ergeben,

Iſt der Tod als Bruder uns vertraut.

Treuer Bundgenoß der tapfern Krieger! Wenn das Leben uns mit Knechtſchaft druckt, Führſt du uns zum ſtillen Bort der Sieger, Wo die heil'ge Freiheit uns begluͤckt.

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