Dieſer Aufſaz erregte in meiner Seele ein Gewuͤhl von entgegengeſezten Empfindungen. Ich war aufgebracht uͤber den Verfaſſer, wel⸗ cher das tugendhafteſte Geſchoͤpf auf eine ſo un⸗ verantwortliche Weiſe verläumdet hatte. Ich war durchdrungen von der Großmuth Sophiens und ihres Liebhabers, denn daß ſie mich in je⸗ ner Nacht beide erkannt haben mußten, daran zweifelte ich keinen Augenblik, und in der Folge wurd' ich unwiederſprechlich davon uͤberzeugt. Ihre Guͤte war die grauſamſte Satire auf mein ehrloſes Betragen gegen ſie. Mein Vergehen zeigte ſich mir im haͤßlichſten Lichte. Sophie, das unglukliche Mädchen war in den Augen des Publikums entehrt, geſchaͤndet; ihr Liebhaber in Verzweiflung, und dennoch intereſſirten ſie ſich beide noch fuͤr mich, und retteten mir unwur⸗ digen das Leben, nachdem ich vorher das ihri⸗ ge vergiftet hatte. Daß Sinval nur leicht ver⸗ wundet und nicht tod war, erſparte mir zwar ewige Gewiſſensbiſſe, aber war er darum weni⸗ ger ungluklich? Zog er ſich nicht unverſchuldet den gluͤhendſten Haß von Sophiens Vater auf den Hals 2
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