Teil eines Werkes 
2. Th. (1820)
Entstehung
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hielten Adelens Arme ſie umſchloſſen, die vor Erſchütterung kaum die Worte zu ſprechen ver⸗ mochte:«Meine Mutter! o, meine Mutter

Schwer zu beſchreiben waͤren Erſtaunen und Ruͤhrung der Frau Saint⸗Lambert. Adelen anſehen, anſtaunen, ſie an ihr klopfendes Herz bruͤcken, mehr vergoͤnnte der namenloſe Taumel ihr nicht, worin jene unerwartete Erſcheinung ſie verſetzte. Als ſie endlich der Sprache wieder maͤchtig wurde, rief ſie mit Entzuͤcken: aMeihe Tochter! meine Adele, mein Blut, mein einzi⸗ ger Troſt! Komm, ach komm, belebe wieder dieſe Bruſt, die Dich genaͤhrt. Nur Du, theures Kind, vermochteſt mir noch einen Augenblick von Gluͤck zu gewaͤhren!*

Sie fuͤhrte dann Adelen in ihre Wohnung, wo der Hausrath lediglich aus Gegenſtaͤnden be⸗ ſtand, welche zum Beduͤrfniß des Lebens unent⸗ behrlich ſind. Nur in ihrem eignen gimmer boten einige Buͤcher, ihre Harfe und einiges Geraͤth zu ihrem Gebrauch ſich dem Blick. Ihr Salon war ein wahres Laboratorium und alle uͤbrigen Zimmer ihrer demuthsvollen Wohnung enthielten