— 232—
woruͤber meine Freundin mit mir eins gewor⸗ den war, anzubinden. Waͤhrend daß es nun an dem Fenſter hieng, konnte ich mich an demſelben bey den niederſchlagenden Betrach⸗ tungen, bey den heftigen Gemuͤthsbewegun⸗ gen und bey den ſtarken und reizenden Bil⸗ dern, mit denen mich meine fruchtbare und prophetiſche Einbildungskraft erfuͤllte, nicht ſatt ſehen. Ich ſahe die unbarmherzige Hor⸗ de, die Frankreich mit Trauer und Blut be⸗ deckte, durch das gerechte Schwerdt der Ge⸗ ſetze verbannt; ich ſahe den blutigen Fluß, der von der Menge der unſchuldigen Ppfer, die dieſe Horde hineinſtuͤrzte, noch immer wuchs, auf einmal von ktaftvollen und huͤlfreichen Haͤnden aufgehalten, und vertrocknet. Ich ſahe mitten unter dieſen groſſen Handlungen der Menſchlichkeit meine Celiane voller Eifer mich fuͤhren, um mit ihr die tiefen und bren⸗ nenden Wunden, die die triumphirende Bar⸗ barey, die nun niedergeſchlagen und zertre⸗ ten war, noch vor kurzem geſchlagen, zu hei⸗ len. Ich ſahe ſie, dieſe wuͤrdige Freundin, die auf die Art die Beduͤrfniſſe meines Her⸗ zens ahndete, in den ſuͤſſeſten Genuͤſſen, den Augenblick feyern, in dem mir der guͤtige
Gott die Freiheit wieder geſchentt hatte.
Aber dieſes war nur ein ſchoͤner Traum. 3 3 6* 6oj Die verhaßte Tyranney trat Frankreich noch
*


