Sobald du dich herunter laſſen kannſt, binde ein Schnupftuch an dein Fenſter; dieſes wird mir anzeigen, daß ich dich um Mitternacht abholen kann. Lebe wohl.—— D Dorbeuil, koͤnnte ich nur bey dir ſeyn.“
Von dem tiefſten Schmerz gieng ich zu der Ruhe uͤber, die die Freude gewaͤhrt. Ich ſchmeckte dieſe Freude ſo lebhaft und rein, daß ich keine einzige Bewegung machen, kein Wort hervorbringen konnte. Blos einige ſanfte Thraͤnen floſſen uͤber meine Wangen. Endlich nahm ich das Buch, welches mir Leliane anzeigte, unterſuchte es ſorgfaͤltig, fand 6 Feilen, die mit vieler Geſchicklichkeit in den Deckeln verborgen waren, und ſahe, da ich dieſelben verſuchte, gleich ihre vortref⸗ liche Wirkung. Damals ſchmeichelte die leicht⸗ glaͤubige Stimme der Hofnung meiner bezau⸗ berten Seele, und ich uͤberließ mich derſelben ganz. Mein Gefaͤngniß hatte nichts grau⸗ ſendes mehr, ſeitdem du darinnen wohnteſt. Du verſtehſt die ſchwaͤrzeſten Kerker zu ver⸗ ſchoͤnern.
Ich arbeitete ohne Unterlaß an den di⸗ cken Gitterſtangen meiner Fenſter, um ſie durchzufeilen. Dieſe hartnaͤckige Arbeit waͤhr⸗ te lang. Vier Feilen hatte ich ſchon zerbro⸗ chen, es waren mir nun noch zwey uͤbrig, und


