Hrute war die Jahresfeier unſers Hochzeittages. Wir begingen ihn allein, meine Johanna und ich. Es war eine ſchöne ſtille Mondnacht. Wir ſaßen noch ſpät nebeneinander auf dem Sopha, ihre Hand ruhte in der meinen, und wir ſahen dem Wechſelſpiele des Lichtes zu, das durch die Vorhänge abgeriſſen in das Zimmer drang, und die Gegenſtände theilweiſe erhellend, theilweiſe dunkel laſſend, eine Art myſtiſcher Welt um uns ſchuf. Wir ſprachen Beide nicht. Meine Seele feierte einen dieſer feſtlichen Momente, wo man ſich dem All ge— genüberſtellend, in ein Nichts aufgeht und ſein eigenes Wünſchen und Trachten keines Seufzers werth achtet. Ich ſaß beſchauend, betrachtend da, und genoß ein paar Augenblicke der höchſten innern Sammlung.
Ein tiefer Seufzer meiner Nachbarin rief mich zu dem Gegenwärtigen, zu der Wirklichkeit zurück. Ich ſah ſie an. Was ihre Gedanken beſchäftigt hatte, wußte ich nicht; aber Erfreuliches konnte es nicht geweſen ſein. Sie ſah traurig aus. Ja, ich entdeckte ſogar eine klare Perle an ihren langen dunkeln Augenwimpern, während das große
II. 1


