Drei Monate ſind ſeitdem verfloſſen. Ich wohne jetzt nicht mehr im Hauſe der Generalin.— Ich habe in Charles Street eine Wohnung gemiethet, die aus zwei Zimmern im zweiten Stocke und einem Zimmer Parterre beſteht. An der Thüre des Hauſes iſt mein Name auf einer großen Meſſingplatte in großen Buchſtaben ange⸗ ſchlagen. Ich bin alſo jetzt ein etablirter Arzt, der dem 1 Anſcheine nach eine ſtattliche Wohnung hat. Und ſie iſt auch in der Wirklichkeit recht ſtattlich. Zum wenigſten iſt ſie es für meine Wünſche.
In dem untern Zimmer empfange ich meine Patien⸗ ten. In den Nachmittags- und Abendſtunden iſt es frei und dient mir zum Speiſezimmer, oder für meine Gäſte. Im zweiten Stocke wohnt— meine Frau!— Wie ſon⸗ derbar mir doch dies Wort klingt!— Meine Frau!— Aber man gewöhnt ſich. Ich muß es nur recht oft aus⸗ ſprechen, und das Fremde des Klanges wird ſich auch für mein Ohr verlieren.— Es ſind ja auch erſt acht Tage, ſeit ich in den Stand der heiligen Ehe trat und das feier⸗ liche Gelübde ablegte, Johanna Neyr auf Lebenszeit unter meine ärztliche Pflege und Aufſicht zu nehmen.
Wird mich der Schritt wol je gereuen?— Ich glaube es nicht. Eine kränkliche Frau iſt freilich eine ſchlimme Gefährtin auf den rauhen Pfaden des Lebens; aber viel⸗ leicht wird ſie nicht immer kränklich bleiben. Ruhe und Pflege und eine ſorgenfreie Eriſtenz werden ihre wohlthä⸗ tige Wirkung nicht verfehlen.
Mein Tagewerk iſt vollbracht, ich kehre zu ihr heim. *


