kammer des Gewiſſens entweichen. Ein Wagen wurde beſtellt und'homme de principe rollte davon. Mein Ziel lag in einem lebhaften Stadttheile Londons und war bald erreicht. In einem weiten, anſtändig möblirten Ge⸗ mache zur ebenen Erde fand ich die Kranke auf einem Sopha gebettet, in ſtarkem Fieber; zu ihrer Bedienung war Niemand da, zu ihrer Pflege ſah ich keine Vorbereitungen getroffen. Beim Scheine des Lichtes, der auf ihr Geſicht fiel, ſchätzte ich ihr Alter unter dreißig. Sie redete mich deutſch an und das Gewählte ihrer Ausdrücke verrieth die gebildete Frau. Sobald ich das Nöthige verordnet, ſah ich mich nach einer executiven Gewalt um; ſie erwiderte mir aber, ſie ſelbſt müſſe mein verantwortlicher Miniſter ſein. Ich erbot mich, an ihre Verwandten oder Freunde zu ſchreiben, und dieſe zu berufen, indem ſie zu krank ſei, um ſich ſelbſt zu bedienen. Die Erſtern befanden ſich jedoch jenſeits des Meeres, und die Andern, meinte ſie, wären ſchwerlich zu ſolchen Liebesdienſten aufgelegt, und die Nothwendigkeit werde bei ihr ſchon die Lehrmeiſterin machen. Ich bewunderte den Stoicismus der Frau in ſolcher Lage, und ſchied mit dem Verſprechen, daß ſie mor— gen früh mein erſter Beſuch ſein ſolle. Als die Haus⸗ magd mich hinausließ, drückte ich dieſer eine Gabe in die Hand mit der Weiſung, der Kranken dafür ſtündlich ihre Arznei zu reichen, wozu ſie ſich auch in chriſtlicher De⸗ muth, das Auge auf die Münze geheftet, anheiſchig machte.
Als ich mich wieder in meinem Armſtuhle wiegte, wollte es mir, ich wußte nicht warum, nicht mehr ſo be—


