Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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war, und mehr noch, als ſie erfuhr, daß Beide glücklich die Grenze erreicht hatten.

Jetzt fühlte ſie, daß auch ſie nicht länger dem Sturme hier Trotz bieten dürfe. Sie ließ ſich daher Päſſe nach der Schweiz ausſtellen, doch konnte ſie ſich immer noch nicht entſchließen, den Tag zu beſtimmen, wo ſie ſo vielen Freunden ein Lebewohl ſagen ſollte, die hier inmitten der Gefahr zurück zu laſſen, ihrem Herzen weh that.

Täglich fielen jetzt Opfer, und täglich mehrte ſich die Liſte der Namen, über welchen das Schwert hing. Die Gefängniſſe füllten ſich und Frau von Stasl ſuchte zu retten, wo ſie nur konnte. Keine Stunde war ihr zu früh, kein Weg zu weit, um denen zu dienen, welche ihrer Hülfe bedurften. Einem würdigen Manne, Monſieur de Jau⸗ court, hatte ſie ſo eben noch durch ihre Fürſprache bei Mannel die Freiheit verſchafft; mit dieſer That wollte ſie ſchließen. Der nächſte Morgen ſollte ihrer Abreiſe beſtimmt ſein, und der Abbé Montesquiou, verkleidet als Domeſtike, wollte ſich mit ihr in die Schweiz retten; vor den Barrieren

war das beſtimmte Rendezvous.

Da kam die Nachricht von der Einnahme von Longwy und von Verdun, und wieder ertönten dieſe furchtbaren Sturmglocken, deren Klang noch ſchauerlich in ihrer Er⸗ innerung lebte und ganz Paris war abermals in Bewegung. Trotz dem wollte Frau von Stasl ihren Wagen beſteigen.