39
Sie ſtützte ihr Haupt in die Hand und ſah traurig in den Garten hinaus.
„Dir iſt es leicht gemacht, Du biſt meine Tochter,“ ſagte Necker, ſein ſcharfes Auge prüfend auf ſie richtend. „Wo Du Dich zeigſt, zeichnet man Dich aus, weil Du meinen Namen trägſt.“
Sie ſeufzte.
„Wir leben doch ſehr abgeſchieden,“ bemerkte ſie.
„Du möchteſt mehr Zerſtreuungen?— Freilich, mein armes Kind, erlaubt mir meine Lage jetzt nicht, Dir dieſe zu bieten, die Klugheit fordert, daß ich zurückgezogen lebe und die Kränklichkeit Deiner Mutter geſtattet ihr nicht, Dich in die Welt zu führen; doch Geduld! Das Schickſal kann auf andere Weiſe für Dich ſorgen.“
* Germaine verſtand, worauf ihr Vater hindeuten wollte. Sie ſchwieg, und überließ ſich wachenden Träumen, bei denen Herr von Narbonne eine Hauptrolle ſpielte. An ſeiner Seite in die Welt treten, einen Namen tragen, der ſelbſt am Hofe zu den beſten gehörte, dem ſchönen, geiſt⸗ vollen, bewunderten jungen Manne zur Seite wandeln, erſchien ihr als das beneidenswertheſte Glück, zu dem ein Wort von ihm ſie erheben konnte.
Seit ſie ihn bei Marmontel kennen gelernt, beſuchte er das Haus ihrer Eltern faſt täglich und ſtand mit ihrem Vater im beſten Vernehmen. Sie glaubte in ſeinen Augen


