—
281
Tief bewegt ſah ſie ihn wieder.
Er hatte ſich ſehr verändert, ſeit ſie ſich nicht geſehen; aber auch ſie war nicht mehr dieſelbe geblieben. Wenn gleich die Zeit äußerlich auch nicht ſolche Spuren zurück gelaſſen hatte, wie es bei ihm der Fall war, ſo war ſie dafür innerlich deſto mehr gebengt worden.
Herr von Rebecque zählte jetzt 47 Jahre, ſtand alſo im beſten Mannesalter, ſein Kopf war dabei kahl, ſein Haar grau und ſein Auge, das einſt ſo hell und hoffnungs⸗ voll nach oben geblickt, lag tief in den Höhlen begraben. Nur ſein Enthuſiasmus war ihm geblieben und mit dieſem blickte er Frankreichs neuer Zukunft froh entgegen;— in dieſem Punkte auch begegneten er und Frau von Stasl ſich noch einmal, bevor das Leben ſie für immer von ein⸗ ander ſchied.
Sie ſelbſt ſtellte ihm jetzt den ernſten, bleichen Rocca vor, von deſſen Daſein Benjamin Conſtant jetzt zum erſten Male Kunde erhielt. Der kranke, junge Mann maß ihn mit einem langen forſchenden Blicke, den dieſer in demſel⸗ ben Geiſte erwiederte; doch ſprach keiner von ihnen laut ſeine geheimſten Gedanken aus.
Auch Herrn von Montmoreney begegnete Frau von Staöl in Paris wieder, wo er ſeit längerer Zeit unter po⸗ lizeilicher Aufſicht lebte. Den treubewährten Freund ihrer Jugend, der ſich unter allen Verhältniſſen erprobt, fand ſie
1859. III. Frant von Stasl. III. 18


