Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
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finden, was er ihr mitzutheilen hatte; je tiefer, je ſchmerz⸗ licher uns etwas berührt, je ſchwieriger erweiſt ſich uns die Sprache in den zu wählenden Ausdrücken. Er ließ daher lieber den Fürſten hier reden als den Sohn, und heiſchte im Namen des Erſteren ihre Rückkehr nach Sachſen.

Welch' ein Sturm in der Bruſt dieſer Frau! Welch' eine Wunde für ihren ſtolzen Sinn!

Solche Momente tödten den Keim des Lebens. Wie wenn der Wurm an einer Wurzel nagt, und die ſchein⸗ bar geſunde Pflanze dahinwelkt, ſo auch zehrte das Nach⸗ weh dieſer Stunde ihr Leben auf.

Das Schweigen des Grabes ſollte dieſe Angelegen⸗ heit decken, forderte ihr Sohn. Agdolo war beſorgt und aufgehoben; doch Hegewald befand ſich noch auf freiem Fuße, und um den treuen Diener nicht das Loos des Ver⸗ räthers theilen zu laſſen, öffnete ihr Geld ihm die Wege zur Flucht. Froh athmete ſie auf, als ſie die Nachricht erhielt, dies Werk ſei ihr gelungen, und ſie habe damit den Fluch eines Schickſals von ihren Schultern gewälzt.

Doch nun kam ein ſchwerer Schritt, für ſie der ſchwerſte: ihre Rückkehr nach Dresden.

Es war Dezember geworden. Spärlicher Schnee deckte die Flur. Die Landſchaft lag in graue Nebel ge⸗ hüllt. Die Stimmung ihres Gemüthes gab die Natur ihr