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einer Minute ihr halbes Leben vor ſich ſehen. Doch der Schluß dieſer Viſion— der kalte Tod, griff um ſo eiſi⸗ ger dann an ihr Herz.
Die Muſiker hatten indeſſen ihre Inſtrumente weg⸗ geräumt, die Sänger ſich entfernt, und in dem weiten Saale herrſchte Stille. Ein Jeder erfuhr ſchon im Hin⸗ ausgehen, was ſich zugetragen; wo es nicht Worte ſagten, ſprach es die beſtürzte Miene der Diener, welche, in den Vorbereitungen zum Feſte unterbrochen, nicht wußten was zu beginnen. Kaum eine Stunde war vergangen, und ſchon war es der ganzen Stadt bekannt, daß König Auguſt zu regieren aufgehört.
Und dieſe eine Stunde, ſie zählte mehr, als viele Jahre in dem Leben der neuen Churfürſtin von Sachſen.
Maria Antonia, im Begriffe ihrem königlichen Schwiegervater in die Probe zu folgen, ſah ihre Schritte plötzlich gehemmt durch die Nachricht der Wendung ſei⸗ nes Schickſals und des ihrigen. Damit zugleich empfing ſie auch die Glückwünſche ihres Hoſſtaates.
Das kam zu plötzlich. Sie legte die Hand an die Stirne, als wolle ſie ſich fragen, ob es Wahrheit ſei, ob nicht ein Traum ſie täuſche. Ihr Herz ſtand ſtill, ein Schwindel wandelte ſie an. Sie ſank auf einen Stuhl, bedeckte ihr Geſicht und weinte ſtille Thränen.— Jetzt war ſie frei! Oh, großes Wort. Jetzt war ſie Herrſcherin


