Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
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ner Verzweiflung den ſchweren Schlag von ſich abwen⸗ den will. Sie hielt die kleine Hand in der ihrigen, ſie fühlte den matter werdenden Pulsſchlag, ſie ſpähte nach einem Strahl der Hoffnung in des Arztes Mienen, und ſank vor ſeinem Nein gebrochen zuſammen.

Sie hatte dem Tode oftmals in das Angeſicht ge⸗ blickt, ſie hatte ihm ſogar unter dem Donner der Kano⸗ nen getrotzt, und die unbeſeelten Körper auf dem Schlacht⸗ felde gebliebener Krieger waren ihr nicht fremd geblie⸗ ben. Doch ein Anderes iſt es, an dem Sterbelager ei⸗ nes Kindes ſtehen, da glaubt die Mutter ein Stück von ihrem Selbſt zu verlieren und an der tiefen Wunde verbluten zu müſſen.

In ſolchen Momenten kann kein Fremder Tröſter ſein; denn jedes Wort ſcheint kalt, das er in einer ſol⸗ chen Stunde zu bieten hat.

Man trug die Prinzeſſin in ihre Gemächer und überließ ſie der Sorge des Churprinzen, an deſſen Bruſt ſie, hinter verſchloſſenen Thüren, ihren Schmerz aus⸗ weinte.

Die natürlichen Blattern hatten ihr das Kind ge⸗ raubt. Sie ſelbſt war in ihrer Jugend dieſer Geißel kaum entgangen und trug ihre entſtellenden Spuren. Wer ſicherte ſie davor, daß ihre übrigen Kinder, ihr kranker Liebling vor Allen, nicht davon befallen werde!