Feierlichkeit, worauf am Hofe große Gala und Mittags⸗ tafel ſtatt fand*).
Freudeſtrahlend ſaß die Königin Joſepha heute ih⸗ ren Gäſten gegenüber. Ihrem feſten Glauben gemäß war ein Schritt gethan, der das Wohl ihrer Untertha⸗ nen ſicherer förderte, als alle Reſkripte der Miniſter. Ihrem Gotte war eine Kirche erbaut. Sie betete, daß viele Herzen gewonnen werden möchten durch dieſen jetzt öffentlich ſtattfindenden Cultus der katholiſchen Religion.
In einem ſo rein proteſtantiſchen Lande war dieſe neue Pflanzſchule nicht leicht zu ziehen. Die arme Kö⸗ nigin fühlte das. Zene, welche mit ihr beteten, waren jetzt nur immer noch Fremde, es waren die Höflinge, welche der Fürſtengunſt gegenüber keinen Glauben hat⸗ ten, es waren die Italiener, welche das Opernperſonal ausmachten, es waren die franzöſiſchen Künſtler, Cere⸗ monienmeiſter und Hofdamen, es waren die reizenden Polinnen, welche ihre Eiferſucht erregten. Aber das ei⸗ gentliche Volk blieb ihren Prieſtern fern.—
Maria Antonia konnte den Jubel ihrer königlichen Schwiegermutter nicht theilen. War ſie auch im Glauben mit ihr einig, ſo war ſie wiederum duldſam genug, um ihren Weg des Heils nicht als den unerläßlich Einzigen
*) Klemm, Chronik von Dresden.


