Biertes Capitel.
Rabener und Voltaire.
Es war an einem Junimorgen. Ein ſtarkes Gewit⸗ ter hatte die Nacht getobt und den Sommerhimmel mit ſchwerem Gewölke überzogen. Die Stadt lag wie in Schatten gehüllt. Obwohl ſchon die ſechste Stunde mit mächtigem Schlage vom Thurme der Kreuzkirche aus⸗ hob, ſo herrſchte doch immer noch Dämmerung in den Straßen Dresdens.
Auf dem freien Platze vor dem italieniſchen Dörf⸗ chen war es demungeachtet ſchon lebhaft. Hier war ſeit Kurzem ein neues Gebäude zum Himmel emporgewachſen, ſo ſtattlich, ſo ſchön, ſo vollendet in ſeiner Ausführung, wie in ſeinem Plane kunſtgerecht, daß es das Auge des Laien wie des Sachverſtändigen gleich ſehr anzog.
Vor ſeinem Eingange ſtanden jetzt Wachen auf⸗ geſtellt, alle Thüren hielt die Leibgrenadiergarde beſetzt, ſo daß kein Unbefugter ſich eindrängen konnte. Nur in weiter Ferne wagten die Neugierigen einen Kreis zu bilden.
Vor dem Haupteingange waren mehrere prächtige Zelte errichtet. In dieſen befanden ſich der Domdechant


