Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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wünſchte ſich ein Kind, das ſie als Mutter an ihr Herz drücken, das ſie dem Lande als künftigen Beherrſcher bie⸗ ten konnte. Zwei Jahre lang war dieſe Hoffnung uner⸗ füllt geblieben; jetzt endlich lag ein Knäbchen in ihren Armen, ein kleines hülfloſes Weſen, von allen Geſchöpfen unter der Sonne am meiſten auf Sorge, Liebe, Pflege angewieſen. Unter Freudenthränen drückte ſie den kleinen ſchreienden Erdenbürger an ihr Herz.

Sie war nun ganz Mutter. Ihre erſte und nächſte Beziehung zum Leben war ihr Kind, das ſie mit ſeliger Luſt betrachtete, an deſſen Anblick ſie ſich nicht ſättigen konnte. Alles an ihm erſchien ihr reizend, mit immer reger Neugierde betrachtete ſie das kleine Geſchöpf und verwun⸗ derte ſich über ſein Wachſen und Gedeihen, ſein erſtes Lächeln im Traume, die willenloſen Bewegungen ſeiner kleinen Hände, ſein Strecken und ſein Gähnen. Alles an ihm war ihr neu und intereſſant, Alles an dieſem ſich vor ihren Augen entfaltenden neuen Leben, ein Phänomen dieſes Lebens.

Sie tanzte, lachte, ſang mit dem kleinen Weſen, und vergaß darüber die ganze Welt. Ob man ſie lobte, ob man ihre Gedichte pries, ob man ihre Compoſitionen bewunderte, daran dachte ſie nicht, ſobald man nur ihr Kind ſchön nannte. Hier allein fand die Schmeichelei