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Treue“ genannt, ſie ſchrieb an einem Oratorium, und bildete mit unermüdlichem Fleiße ihre Talente aus.— Der König blieb noch in Warſchau, es gab daher keine glänzenden Hoffeſte und ihr geſelliges Leben nahm ſie wenig in Anſpruch; um ſo mehr konnte ſie ſich ſelbſt an⸗ gehören.
Mancher Klageruf drang indeſſen an ihr Ohr, man⸗ cher Schmerzenslaut des hart gedrückten Volkes, deſſen Armuth ſich täglich mehrte. Oft wünſchte Maria Anto⸗ nia reich zu ſein, oft drückte es ſie nicht helfen zu können.
„Wenn ich einſt Königin bin,“ ſegt ſie ſich häufig, „ſo ſoll kein Snn ungehört von mir gehen.“
Sie glaubte noch jedem Impuls ihres Herzens fol⸗ gen zu müſſen, und konnte das Nein nicht ſprechen, wel⸗ ches dem Menſchen weit mehr, wie dem Könige, ſchwer fällt.
Im Februar kehrte der Hof aus Warſchau zurück, mit leerer Börſe, wie gewöhnlich. Der König freute ſich ſeine lieben Bilder wieder zu ſehen, von denen er ſogar einige als Begleiter mit auf die Reiſe genommen, die nun wieder zurück wanderten in das Japaniſche Palais, während ſein Schlafgemach mit einigen andern Lieblin⸗ gen geziert wurde. Luſt und Leben kehrte in die Reſidenz zurück, Graf Brühl gab Feſte, die Geſandten gaben Feſte, die Brüder gaben Feſte, während die verſam⸗


