„Unſchuldig nennſt Du den nächtlichen Ausgang einer Churprinzeſſin von Sachſen?“ fragte der Prinz und ſah ſie kopfſchüttelnd und traurig an.
„Unſchuldig in meinem Herzen und vor Gott, un⸗ ſchuldig in meinem Gewiſſen— doch freilich ein Ver⸗ brechen in den Augen der Welt.“
„Und Dein Zweck?“
„Ich wollte die Sterne ſehen, wollte den Jupiter in ſeinem Zenith belauſchen.— Ich hatte mir ein gutes Fernglas von dem Prohlis beſorgen laſſen— Du weißt es— und ſchlich damit, begleitet von meinem Garderoben⸗ mädchen, um Mitternacht hinaus, ungeſehen, wie ich meinte, um den gelehrten Bauer zu treffen und mich von ihm belehren zu laſſen.— Ich war verkleidet, Nie⸗ mand konnte mich erkennen. Ich glaubte mein Geheim⸗ niß ſo ſicher bewahrt, und freute mich ſo lebhaft über dieſe kleine, von mir geſtohlene Freiheit!— Es war mir ſo neu, ſo ſeltſam, Niemandem Rechnung ablegen zu müſſen von meinem Handeln, ich betrachtete den Himmel und die Erde wie mit neuen Augen, ich glich einem Kinde, das zum erſten Male der leitenden Hand ſeiner Bonne entbehrt.— Und als ich nun den herrlichen Jupiter ſah und den Saturn mit ſeinem mächtigen Gürtel, und mir dieſe Pracht der Welten über den Welten vorſtellte— da hätte ich, im Angeſichte des Unendlichen, leicht alles


