261
„Das kann ich in der That nicht! Ich wußte ja nicht einmal, daß er kommen würde.“
„Aber ich wußte es und auch die Urſache ſeines Kommens iſt mir bekannt.“
„Bitte, bitte! und welche iſt das?“ rief ſie erregt.
Er maß ſie eine Minute lang mit ſchelmiſchem Lächeln.
„Sie mögen es errathen,“ fagte er dann.„Da er es mir nicht anvertraut hat, ſo könnte ich mich in meiner Vermuthung geirrt haben; beſſer alſo, ich ſchweige.“
„Er kommt aber doch?“
„Ja, er kommt. Als Vormund Ihres Kindes muß
U
er ſich vor Ihrer Abreiſe doch ſeine Inſtructionen holen?“
„Oder auch ſie ertheilen. Ich werde künftig nur die zweite Stimme haben, wo es das Wohl meines Kindes gilt.“
„Das kommt ganz darauf an, wie Sie den geſtren⸗ gen Herrn zu lenken wiſſen. Da er ſo gütig geweſen iſt, dem Kinde ſein Erbrecht nicht ſtreitig zu machen, ſo er⸗ weiſet er ſich vielleicht auch ſonft noch gütig; warten wir es ab!“
Lächelnd entfernte er ſich.
Thorilde trat dem Baron, als man ihn meldete, als Mutter entgegen. Bewegt hielt ſie ihm das Kind hin und ſagte:„Gieb dem Herrn einen Kuß, Max! Du dankſt ihm viel.“ Verlegen nahm er ihr den Knaben ab, und


