derte Thorildeus guten Muth, welcher über dieſe Bezie⸗ hung ſo leicht hinwegging.„Gott erhalte ſie dabei!“ flü⸗ ſterte ſie in ſich hinein,„Gott erhalte ſie dabei! Sie wird ihren Muth noch auf manche Probe geſtellt ſehen; aber ich kann es ihr nicht erſparen.“
Ihre Gedanken drehten ſich im Kreislaufe um die Gegenſtände ihrer Sorge, wie es in nächtlicher Weile zu gehen pflegt. Alles im Hauſe war ſtill, nur der Pendel der Uhr und eine nagende Maus unterbrachen das Schwei⸗ gen, es hatte lange ſchon Elf geſchlagen, jetzt ſchlug es an der großen Hausuhr Zwölf. Frau von Gasmund ſeufzte, daß ihr keine Ruhe beſchieden ſei, und verſuchte mechaniſch bis 5 zu zählen.
Plötzlich war es ihr, als ob eine Hand an den Ja⸗ louſien rüttele und ſie zu öffnen verſuche. Sie lauſchte.— War das nicht auch wie ein Schritt?— Sie hielt den Athem an. Deutlich hörte ſie, wie Jemand an der Thüre des Salons den Drücker auf und ab bewegte. Sollte ein Dieb ſeinen Weg hierher gefunden haben und Einbruch verſuchen?— Thorilde ſchlief nebenan; war jie dort auch in Sicherheit? Mit zitternder Angſt ſchlüpfte ſie aus dem Bette, fuhr in die leichten Morgenſchuhe, und ſchlich der Thüre zu. Das Geräuſch ſchien zu ihrem Fenſter zurückzu⸗ kehren. Leiſe öffnete ſie den Flügel, ließ die Jalouſie herab und blickte durch die Stäbe; da ſah ſie, dicht vor ſich, wie Auge in Auge mit ſich, eine weiße Frauengeſtalt mit einem


