450 Dritter Tag.
kus geworden war, Bruder Puccio genannt ward. Dieſem ſeinem geiſtigen Leben folgend, lag er, weil er keine andere Familie hatte, als eine Frau und ein Dienſtmäͤdchen, und eben deshalb ſich auch keiner Kunſt zu befleißigen brauchte, viel in der Kirche. Da er ferner ein Erz⸗Idiot, und ein ganz alberner
Menſch war, ſo betete er ſeine Paternoſter ab, ging
in alle Predigten, kniete in der Meſſe, fehlte nie⸗ mals, außer daß er alsdann nicht gegenwaͤrtig war, wenn die Weltgeiſtlichen die Laudes ſangen, faſtete und kaſteiete ſich ſo, daß man einander ganz heim⸗ lich ſich zufluͤſterte: der gehoͤrt zu den Geißelbruͤdern.
Die Frau, Monna Iſabetta war ihr Name, war
noch jung, etwa 28 bis 30 Jahr, friſch, ſchoͤn, rund⸗
lich, und hatte ſo rothe Baͤckchen, wie ein Apfel⸗ mußte aber wegen der Heiligkeit ihres Mannes, viel⸗ leicht auch wol ſeines Alters wegen, ſehr oft viel zu lange Faſten halten, als ſie es wuͤnſchte; und wenn ſie dagegen etwa hatte ſchlafen oder mit ihm ſcher⸗ zen wollen, erzahlte er ihr was aus Chriſtus Leben, oder aus den Predigten des Bruder Anaſtaſius, oder us den KFlageliedern der heiligen Magdalena, oder ſonſt dergleichen Dinge. Gerade zu der Zeit kam aus Paris ein Moͤnch
zuruͤck, Namens Don Felir, Conventual des heiligen
Pancraz, der noch ſehr jung, von einnehmender Ge⸗ ſtalt war, einen feinen Verſtand hatte, und tiefe
Wiſſenſchaft beſaß; mit dieſem ſchloß Bruder Puc⸗
cio ein enges Freundſchaftsbuͤndniß. Weil dieſer ihm
nun alle ſeine Zweifel ſo ſchoͤn zu loͤſen wußte, und


