Einleitung. 17 men, wohlriechende Kraͤuter und verſchiedene Speze⸗ reien trugen, und ſich oft an die Naſe hielten, in⸗ dem ſie glaubten, das Beſte waͤre, ſich das Gehirn mit ſolchen Geruͤchen zu ſtärken, weil ihnen die Luft ganz und gar von dem Geſtank der todten Koͤrper und der Krankheit, wie auch der Arzeneien einge⸗ nommen und verpeſtet zu ſeyn ſchien.
Einige hatten eine noch weit grauſamere Mei⸗ nung(ob ſie gleich ungluͤcklicherweiſe die ſicherſte war); ſie ſagten naͤmlich, keine andere Arzenei waͤre gegen die Peſt beſſer, oder ſo gut, als ihr ganz und gar zu entfliehen. Und von dieſem Bewegungsgrunde an⸗ getrieben, verließen viele Maͤnner und Frauen, die ſich um nichts anderes, als nur um ſich, bekuͤmmer⸗ ten, die eigene Stadt, die eigenen Haͤuſer, ihre Be⸗ quemlichkeit, ihre Anverwandten, und alles das Ih⸗ rige, und ſuchten fremdes Eigenthum, oder wenig⸗ ſtens fremde Gegenden; in der Meinung, als wenn der Zorn Gottes, um die Verderbtheit der Menſchen mit dieſer Peſtilenz zu beſtrafen, nicht bis dahin, wo ſie jetzt waͤren, reichte, ſondern in ſeinem Eifer nur diejenigen zu unterdruͤcken beabſichtigte, welche ſich innerhglb der Mauern ihrer Stadt befaͤnden; oder ſie bildeten ſich wohl gar ein, es ſollte kein Menſch darin uͤbrig bleiben, und das letzte Stuͤndlein waͤre gekommen. So wie nun zwar keineswegs alle, die ſo verſchiedener Meinung waren, ſtarben, ſo wanderten ſie dennoch Alle aus; hingegen erkrankten von jeder dieſer Klaſſen viele und ſchmachteten an jedem Orte dahin, obgleich dieienigen, die geſund blieben, ihnen Boccaccio's ſäͤmmtl. W. 1. 2


