—————
verließ er uns nur, um uns ſicher zu machenz vielleicht gab er ſchon dem blutgewohnten Sigbert Befehle; hüte Dich vor dem ſcharfen Jagdmeſſer und der weitfliegen⸗ den Büchſenkugel. O es iſt hart, daß ich Dich nicht be⸗ halten kann, aber härter wäre es, müßte ich Dich ver⸗ wundet, gefährdet wiſſen um meinetwillen.
Melac ſchüttelte den Kopf und ſah ihr forſchend in das große, feurig rollende Auge. Räthſelhaftes Weib⸗ ſagte er, ſchönes Chamäleon, welches iſt eigentlich Deine rechte Farbe? Ich ſah Dich demüthig und dienſtfertig, arbeitſam und kindlich, heiter und leichten Sinnes; ich ſehe Dich gebieteriſch, befehlend, eine Sultanin auf dem Divan, ſtarr und hart, düſter und tragiſch. Wie kann ich. Vertrauen faſſen, wo ein Wellenmeer ohne Ruhe mir den feſten Boden verbirgt? Du ſprichſt Gefühl, Sorg⸗ falt, Liebe für mich aus in Worten, die der Wahrheit Wärme, der Wahrheit Töne tragen, und doch konnteſt Du Dich einem Andern hingeben, den Du ſelbſt Deiner unwerth achteſt, konnteſt die Magd eines rohen Wald⸗ menſchen werden, der ſelbſt ſeine ſo arg von Dir ge⸗ fürchtete Eiferſucht vergißt, weil ſein Hund blutet. Man lehrte mich, daß die Lüge die erſte Waffe des Weibes ſey, eine Waffe, ſchärfer als des Mannes Schwert, ſtärker als Rolands Arm.
Kann Lüge auch das Herz ſo klopfen machen? fragte ſie, ſeine Hand unter ihre linke Bruſt legend.
Aurora, entgegnete er wärmer und befangener, Du dauerſt mich, denn, wenn mich die Vernunft nicht trügt, ſo haſt Du viel geopfert, um eine Herrin, eine Dame zu werden. Das iſt ja der gewöhnliche Mädchenglaube: es gäbe kein Glück für ſie auf Erden als durch den Trauring, und die Ehe mit einem Kain, einem Cartouche,


