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Ihr könnet nicht glücklich ſeyn, und Ihr könnet auch nicht glücklich machen! Dieſe Worte Luciano's klangen immer öfter, immer lauter in Vanina's Seele wieder, und nagten und zerrten an ihrem Weſen. O! das Be⸗ wußtſein eines verfehlten Lebens iſt das ſchärfſte und fol⸗ terndſte Gefühl in einer Menſchenbruſt! Vanina's Kraft erloſch, ihre Duldſamkeit erlahmte und ging zu einer fieberhaften Unruhe über; ſelbſt die Religion vermochte nicht wie ſonſt die bangen Ahnungen in ihrem Gemüthe zu beſchwichtigen, die böſeſten Bilder aus ihren Träumen zu verſcheuchen.
So ging der lange Winter vorüber, ohne Nachricht von Sampietro, ſo oft auch Maleſpina nach Paris ritt, um dort zu forſchen, ohne Nachricht vom Schloſſe Or⸗ nano. Wie zwei Wittwen wanderten die beiden jungen Frauen täglich im Garten, aber die knoſpenden Gebüſche erfreuten ſie nicht, denn ſie verkündeten dem Herzen keinen Frühling. Wie ſeufzte Vanina nach der Mutter, nach dem Vater, von denen ihr alle Botſchaft fehlte! Wie wünſchte ſie ſich Flügel, um nur auf einen Tag über die hohen Gartenmauern hinaus zur Heimath flie⸗ gen zu können, und dann gehorſam wiederzukehren in ihren glänzenden Kerker!
Da verkündeten eines Abends Kanonenſchüſſe des Hafenforts die Ankunft fremder Schiffe. Sampietro viel⸗ leicht! rief Vanina erbleichend, erbebend, ohne daß ſie fich Rechenſchaft geben konnte, warum. Und kurze Zeit nachher pochte es mit Haſt an der Hauspforte, doch nicht der General, ſondern Signor Prosper Amondaſchi ſtieß lebhaft den Pförtner zur Seite, und herzte ſeine kleine Frau und drückte freudig die Hände des ſchönen, wenn auch etwas abgeblichenen Mühmchens. Die Poſt, welche


