N———
457
ſchmeichelt von der Zärtlichkeit, die in ſolchem Manne zwiefach werthvoll erſchien, preßte ſich Vanina an den kräftigen, hochgewachſenen Mann, aber ihr fehlte die Antwort und er ſchien durch die betheuernde Bewegung, in welcher ſie die zarte Hand auf ihren wallenden Buſen legte, befriedigt.
Störend für das der Trauung folgende Feſt wurde die unvermuthete Erſcheinung zweier ungebetenen Gäſte, die mit pomphafter Begleitung in das Schloß einritten. Es waren zwei genueſiſche Offiziere von hohem Range und aus den edelſten Familien. Welch' ein Aufruhr in der fröhlichen Verſammlung entſtand, bedarf keiner Beſchrei⸗ bung. Baſtelika zog ein Schlachtgeſicht und mehrere der Jüngeren waren ſo unbeſonnen, die Degen zu entblößen. Nur der alte Ornano blieb in jener Faſſung und kal⸗ ten Stellung, welche die damalige Lage der geſpannten Verhältniſſe forderte, und empfing die Würdeträger mit ruhiger Höflichkeit. Die Genueſer gaben ſich kund als Abgeordnete des Gouverneurs von Baſtia, mit dem Auf⸗ trage beehrt, der Familie Ornano und dem neuen Schwie⸗ gerſohne des Barons einen Glückwunſch zum heutigen Feſte zu überbringen, zugleich aber den Herrn von Ornano, den General Baſtelika und wen ſie aus den Edelſten der Korſen erwählen möchten, einzuladen, nach einer Wo⸗ chenfriſt ſich zum Beſuch in der Feſte Baſtia einzufinden, um daſelbſt über wichtige Veränderungen zu berathen, welche der große Rath von Genua zum Beſten der von ihr beherrſchten Inſel vorzunehmen beſchloſſen habe. Die ernſte Stimmung, welche alle Mitglieder der Geſellſchaft umfing, zeugte von dem Mißtrauen, das der unerwartete Antrag allgemein erregt hatte und das die Artigkeit des erſten Theils der Botſchaft völlig in den Schatten drückte.
—


