Teil eines Werkes 
15 (1843)
Einzelbild herunterladen

nur flach eingeſchlagene Stufen dem Fuß einen Anhalt boten, hinauf zu helfen. Jetzt ſtanden die Wanderer an einem Gabelwege: die eine Spitze führte höher zu den Firnen, die andere ſenkte ſich lehn⸗abwärts, und wenn das Auge dem ſchmalen Schlangenſtreif des Letz⸗ tern folgte, traf es auf groteske, ſchwarze Felsmaſſen, wie von einer Rieſenhand in wilder Zerſtörungswuth über einander geſchüttet, mehrere Gewölbe bildend, die mit zwei bis drei weit gähnenden Oeffnungen einen Blick in das Unterirdiſche darboten. ollten wir nicht hier rechts hinunter in die Bären⸗

höhle? fragte der Eine.— Nein, nein, rief der Andere lebhaft, jetzt kein Dunkel, keine Tiefe! Was ſollen wir bei dem Moder und den Knochen der alten Zeit? Dort hinauf in das Licht, zu den Wolken, dort einen langen Blick thun auf das Paradies der jüngſten Schöpfung, das ſoll uns ſtärken für die nächſten, vielleicht düſteren Lebensmonate! Mit einer Sehnſucht, die ich nie hatte zuvor, zieht es mich dort hinauf: die Sehnſucht iſt ſtür⸗ miſcher, heftiger faſt als der Gedanke an die Braut; die Sehnſucht iſt wie ein Schmerz, und doch mir ſo lieb! Wenn wir uns dort oben berauſcht haben in Ju⸗ gendluſt und Erinnerung, wenn wir uns ſatt geweint haben am Gedächtniß des mächtigen Vaters, der uns auf die Eisſpitzen trug, wie der Bär ſein Junges, dann wollen wir in die Knochenhöhle hinabſteigen, wieder nüchtern zu werden und die geblendeten Augen zu er⸗ quicken und zu heilen.

Der zweite Wanderer nickte mit dem Kopfe und ein nicht wohllaſſendes Lächeln zog durch ſeine Züge.

Sie ſtiegen höher, da rief ein gellendes Gebell ihre Köpfe rückwärts. Es kam von dem großen Fanghunde.