Teil eines Werkes 
15 (1843)
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ſeinen ewig kehrenden Pfeilen die oberſte Hülle des ewi⸗ gen Eiſes verwundete und die hundertjährigen Kryſtall⸗ ſäulen bluten ließ in leiſe rinnenden Bächen, bis ſie, ausgeſogen, zuſammenſtürzen mußten.

Die Brüder Spauer waren früh auf und verließen das Gehöft zur Reiſe gerüſtet, ſobald das erſte Morgen⸗ roth am Rande des Thales die Fahne ausgeſteckt. Sie ſtiegen raſch aus dem Schluchtweg herauf, durchſchritten einen Theil des Kiefernwaldes und kamen bald auf das freie Gebirg und von da zu dem Wetterhäuslein, von dem Andreas am Abend geſprochen.

Das Auge iſt der eigentliche Sinn des Lebens, denn Leben iſt Wechſeltauſch des Aeußern gegen Inneres, Er⸗ kennen, Einſaugen, Wiederſtrahlen; Blinde leben kaum zur Hälfte, und darum wünſchen ſich die armen Erblin⸗ deten, je älter ſie werden, je öfter den Tod; ihr Da⸗ ſein iſt ja ſchon ein Halbtod, denn es fehlt der Ver⸗ mittler zwiſchen ihnen und der Welt.

Leo's Augen lebten heute zwiefaches Leben; ſchon auf den erſten niedern Vorhöhen haftete ſein Fuß, und, die Arme gekreuzt gegen die klopfende Bruſt preſſend, rief er: O mein Vaterland, mein ſchönes, herrliches Va⸗ terland, wie konnte dein undankbarer Sohn dich ver⸗

geſſen! Wie die Beiden ſo langſam die lehnen Hügel hinan⸗

ſchritten, ſchien Leo in ſeiner Kriegstracht größer, ſchlan⸗ ter, edler geſtaltet, auch trug er den Kopf hoch, die Schultern gerade, indeß Andreas etwas gebogen und geſtützt auf den langen Eisſtab, wie es ſchien, lähmig und träg dem Bruder folgte, und wenn Jener ſtill ſtand und die Hand vor die Pickelhaube legte, gleich einem Schirm, und ſeine Blicke weit ſchweifen ließ in das