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Weiß ich's doch ſelbſt nicht, ſeufzte Sina; der Vater ſagte immer, wenn ich ihn fragte: Männerſachen, Ro⸗ fine, aber Dein Goldo iſt ein edler Mann! Und Goldo ſelbſt antwortete ſtets der Bittenden: Sey ruhig! ich leide um der Freundſchaft willen und das iſt nicht ſchwer.
Um der Freundſchaft willen! ſtieß Fritz aufraſend heraus. O, ſo bin ich's, ich Unglücklicher! Er um mich auf der Feſtung! Fort, hin zum Fürſten!— Sina hielt ihn. Es iſt zu ſpät, ſprach ſie eilig, denn heute ſchon kehrt er zurück; ich erwarte ihn hier.
Und ich weiß nichts, rief der Wilde, ſitze da ruhig jenſeits der Grenze und ahne nichts. O der Gute, Edle!
Erzählen Sie! bat Sina, daß ich endlich einmal hell ſehe; die Neugierde hat mich lange genug gepeinigt. Die böſen Männer kennen die Qual nicht.
O wie ſoll ich erzählen! jetzt, da mein Blut kocht und wie in einer Schlacht Gedanke auf Gedanke ſich mir im Kopfe herumtummelt! Es war Kirchweihe in Heiligenlinden. Ich toller Wildfang bekam Händelz die Dragonerwache wollte das beilegen, und ich vergriff mich an dem Offizier. Man ergriff mich und führte mich fort. Goldo begegnete uns, trat herzu, ließ ſich erzählen, ich ergriff den Moment, entſprang und kam glücklich über die Grenze nach der nahen Vaterſtadt. Niemand kannte mich in Heiligenlinden, und daher hoffte ich, die Sache ſollte ohne Folgen bleiben. Wahrſcheinlich hat man ihn nun ſtatt meiner gefaßt, er hat geſchwiegen, der Brave, wie das Grab, und dafür hat man ihm nun meine Strafe zuerkannt und ihn in das große ſteinerne Grab geſteckt. Armer, armer Goldo! Mußte der freie Wild⸗ fang Dir Freiheit und Licht und Luft und Liebe nehmen!
Zu laftig nur war's droben! rief ich herab von


