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rief ſie, als der ſchwarze Sarg langſam hinabſank, und fiel halb ſinnlos in meine Arme. Da dachte ich meines Goldo! Nein, ich will nicht mehr weinen, nicht mehr trauern, damit mich nicht der Himmel mit Dorettens Schickſal ſtraft. O, warum muß mein Troſt der Armen ſo viel, ſo viel koſten!“
Ich wiſchte mir eine Thräne aus dem Auge und küßte das Papier, deſſen Züge ich mit aller Anſtrengung im letzten Strahle der finkenden Sonne geleſen hatte.
Nein! rief ich laut, ich jammere nicht an Sina's Grabe, ſie nicht an dem meinigen! Arm in Arm und in einer Sekunde kann uns der Tod treffen. Ihr Leben würde mich mit neuer Lebensgluth durchhauchen, ihr Sterben das Leben in mir verlöſchen, mich mit ihr hinab⸗ ziehen, und dann— Jenſeits—!
Ich werde bald ſterben! ſagte hinter mir eine leiſe Stimme und ich fühlte mich ſanft umfaßt. Ich wandte mich und ſah Margarethen. Sie hatte geweint, noch glänzte eine Thräne ihr im Auge, und die Sonne ver⸗ goldete den kleinen Tropfen.
Ich bin Dir gut! ſagte ich ſanft zu ihr. Aber gönnſt Du mich darum der armen, weinenden Sina nicht?— Sie legte ſich ſchluchzend an meine Bruſt. Langſam ſank die Sonne hinab und die Berge ſchwammen in Feuer.
Vollendung! rief ich und legte ſegnend meine Hand auf des ſtiller weinenden Mädchens Stirne.
Die Denkmäler.
Sonderbarer Egoismus, ſagte ich zu mir ſelbſt, daß der Menſch ſo gern Alles mit einem Gedächtnißzeichen
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